Sophie-Mereau-Gymnasium

Adlersberg - Bildung mit Perspektive

Geschichte des Sophie-Mereau-Gymnasiums

Seit 1725 prägt unser Gymnasium die Bildungslandschaft Adlersbergs. Drei Jahrhunderte Tradition, Innovation und humanistische Werte – eine Geschichte von Bildung, Aufklärung und dem unermüdlichen Streben nach Wissen.

Eine traditionsreiche Bildungseinrichtung

Das Sophie-Mereau-Gymnasium blickt auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück, die im Jahr 1725 ihren Anfang nahm. Was als kleine katholische Mädchenschule begann, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer der renommiertesten Bildungseinrichtungen der Region. Unser Gymnasium ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern ein lebendiges Zeugnis für die transformative Kraft der Bildung.

Geprägt von den Idealen der Aufklärung, des Humanismus und der wissenschaftlichen Erkenntnis, hat unsere Schule stets den Mut gehabt, neue Wege zu gehen. Die Geschichte unseres Gymnasiums ist eine Geschichte des Fortschritts, der Gleichberechtigung und des unerschütterlichen Glaubens daran, dass Bildung der Schlüssel zu einem erfüllten und verantwortungsvollen Leben ist.

Die Anfänge: Die Katholische Mädchenschule (1725-1806)

Im Jahre 1725 gründete der Theologe und Pädagoge Johann Nepomuk Mayer in Adlersberg eine katholische Bildungsanstalt für junge Mädchen. In einer Zeit, in der Bildung für Frauen noch keine Selbstverständlichkeit war, setzte Mayer ein mutiges Zeichen. Die Schule, zunächst in bescheidenen Räumlichkeiten untergebracht, widmete sich der religiösen und moralischen Erziehung sowie der Vermittlung grundlegender Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen.

Die ersten Jahrzehnte waren geprägt vom Engagement der Ordensschwester, die mit großer Hingabe und Sorgfalt die jungen Schülerinnen unterrichteten. Die Schule entwickelte sich zu einem wichtigen Bildungsort für die katholischen Familien Adlersbergs und der umliegenden Gemeinden. Der Unterricht folgte strengen religiösen Prinzipien, legte aber auch Wert auf Tugend, Fleiß und die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten jeder Schülerin.

Schulleiterinnen der Gründungszeit

1725 – 1729
Schwester Maria Benedicta von Hohenstein
1729 – 1748
Schwester Euphemia Hagenauer
1748 – 1771
Schwester Cäcilia Ottilia Hartmann
1771 – 1778
Schwester Crescentia Juliana von Rabenau
1778 – 1806
Schwester Magdalena Josepha Bachmann

Historischer Kontext

Die Gründung der Schule fiel in eine Zeit großer gesellschaftlicher und geistiger Umwälzungen. Die Aufklärung begann, traditionelle Denkmuster in Frage zu stellen, und die Bedeutung der Bildung für alle Gesellschaftsschichten gewann zunehmend an Bedeutung. Obwohl die Schule zunächst religiös geprägt war, legte sie bereits den Grundstein für eine umfassende Mädchenbildung.

Das Zeitalter der Reform: Königliche Mädchenschule (1806-1866)

1806: Umbenennung in Königliche Mädchenschule

Mit der Säkularisation und den politischen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch die Schule. Die Umbenennung zur Königlichen Mädchenschule im Jahr 1806 markierte den Übergang von einer rein kirchlichen zu einer staatlich beaufsichtigten Bildungseinrichtung. Diese Reform brachte neue pädagogische Ansätze und ein erweitertes Fächerangebot mit sich.

Die Schule öffnete sich zunehmend weltlichen Bildungsinhalten. Neben den traditionellen Fächern wie Religion, Handarbeit und Hauswirtschaft traten nun auch Sprachen, Geschichte und erste naturwissenschaftliche Kenntnisse in den Lehrplan. Die Schulleiter dieser Epoche waren gebildete Akademiker, die ihre Vision einer umfassenden Bildung für junge Frauen vorantrieben.

Schulleiter der königlichen Ära

1806 – 1812
Dr. Leopold August Aloisius Drosselmeier
1812 – 1821
Dr. Gustav Lenz
1821 – 1823
Ludwig Wilhelm Treuberg
1823 – 1841
Albrecht Sigismund von Wiesenburg
1841 – 1866
Maurice Theodor Bertrand

Pädagogische Innovation

In dieser Zeit begann die Schule, internationale pädagogische Entwicklungen aufzugreifen. Der Einfluss von Reformpädagogen wie Johann Heinrich Pestalozzi machte sich bemerkbar. Die Bildung sollte nicht mehr nur Wissen vermitteln, sondern auch zur Entwicklung der gesamten Persönlichkeit beitragen – ein Grundsatz, der bis heute Bestand hat.

Die goldene Ära: Städtische Schule für höhere Töchter (1866-1918)

1866: Umbenennung in Städtische Schule für höhere Töchter

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des Aufbruchs und der Emanzipation. Die Städtische Schule für höhere Töchter wurde zu einem Zentrum anspruchsvoller Mädchenbildung. Das Curriculum erweiterte sich erheblich und umfasste nun Fremdsprachen, Literatur, Mathematik und – bahnbrechend für die Zeit – naturwissenschaftliche Fächer.

Anne Geist von Wildegg – Die Pionierin

Eine der prägendsten Persönlichkeiten dieser Epoche war Anne Geist von Wildegg (1844-1878), die von 1872 bis 1878 als Schulleiterin amtierte. Als Lehrerin für Religion, Moral, Philosophie und später Naturkunde trat sie mit erst 28 Jahren eine Position an, die üblicherweise erfahrenen Pädagogen vorbehalten war. Von Wildegg war eine außergewöhnliche Frau, deren fortschrittliche Ideen ihrer Zeit weit voraus waren.

Inspiriert von ihrem Vater, einem angesehenen Physiker, und getrieben von einem unstillbaren Wissensdurst, revolutionierte sie den Unterricht. Sie knüpfte Kontakte zu Universitäten, informierte sich über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und unterrichtete am Nachmittag freiwillig Naturwissenschaften für alle interessierten Schülerinnen – eine Tätigkeit, die von der konservativen Stadtgesellschaft zunächst argwöhnisch beobachtet wurde.

Von Wildegg richtete in ihrem Büro ein kleines Labor ein und versteckte handschriftliche Aufzeichnungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Gedanken in den Büchern der Schulbibliothek, die ihre Schülerinnen fanden und studierten. Sie verkörperte die Ideale der Aufklärung: kritisches Denken, wissenschaftliche Neugier und den Glauben an die Gleichwertigkeit aller Menschen.

Ihre zunehmend religionskritische Haltung und ihr Eintreten für naturwissenschaftliche Bildung stießen auf Widerstand. 1878 wurde sie unter dem Vorwand „mangelnder Kooperationsbereitschaft" ihres Amtes enthoben. Sie heiratete daraufhin Theodor von Abendrot und führte ein zurückgezogenes Leben. Als sie kurze Zeit später schwer erkrankte, erfuhr sie von der religiös geprägten Gesellschaft keine Unterstützung – selbst medizinische Hilfe wurde ihr verweigert. Ihr früher Tod im Alter von nur 34 Jahren erschütterte ihre ehemaligen Schülerinnen und Anhänger zutiefst.

Das Vermächtnis Anne Geist von Wildeggs lebt fort: Der naturwissenschaftliche Trakt unserer Schule trägt seit 1949 den Namen Annenflügel. Die Legende des „Annengeists", der angeblich durch die Bibliothek und den Annenflügel wandelt, ist ein liebevoller Mythos, der die Bedeutung dieser außergewöhnlichen Frau für unsere Schule und die Stadt Adlersberg würdigt. Zwei Straßen, ein Denkmal im Wildegg-Park und ein Museum in ihrem ehemaligen Wohnhaus erinnern an ihre Pionierarbeit.

Schulleiter der höheren Töchterschule

1866 – 1872
Dr. Karl Wilhelm Schulze
1872 – 1878
Anne Geist von Wildegg
1878 – 1891
Agnes Johanna Schulz
1891
Charlotte Eleonore von Heimburg
1891 – 1901
Dr. Theodor Kardtring

Die Schule entwickelte sich zu einer anerkannten Institution, die jungen Frauen eine umfassende Bildung ermöglichte. Das Kollegium war hochqualifiziert und engagiert – Lehrer wie Dr. Oskar Torunsky, Dr. Leopold Peeckel und Johannes Höpfner prägten mit ihrer pädagogischen Arbeit Generationen von Schülerinnen.

1901: Umbenennung in Lyzeum

Die Umbenennung zum Lyzeum im Jahr 1901 reflektierte den gehobenen Bildungsanspruch der Schule. Das Lyzeum bot nun eine gymnasiale Bildung, die den Schülerinnen den Zugang zu höherer Bildung und akademischen Berufen eröffnete.

Schulleiter des Lyzeums

1901 – 1911
Ernst Brammerloh
1911 – 1930
Heinrich Ludwig Bergmann
1918: Umbenennung in Staatliche Mädchenoberschule

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Übergang zur Weimarer Republik wurde die Schule erneut umbenannt. Die Staatliche Mädchenoberschule symbolisierte die zunehmende staatliche Verantwortung für die Bildung und die Demokratisierung des Schulwesens.

Herausfordernde Zeiten: 1925-1945

1925: Umbenennung in Mädchen-Oberlyzeum

Die Zwischenkriegszeit brachte weitere Umbenennungen und pädagogische Veränderungen mit sich. Das Mädchen-Oberlyzeum bot eine anspruchsvolle gymnasiale Bildung und bereitete die Schülerinnen auf das Abitur vor.

Schulleiter 1925-1937

1930 – 1937
Dr. Paul Treitschke
1938: Umbenennung in Staatliche Oberschule für Mädchen

Die Zeit des Nationalsozialismus stellte eine dunkle Periode in der Geschichte der Schule dar. Die Umbenennung zur Staatlichen Oberschule für Mädchen und die ideologische Vereinnahmung des Bildungswesens prägten diese schwierigen Jahre. Die Schule versuchte, trotz der politischen Zwänge, ihre pädagogischen Grundsätze so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.

Schulleiter während der NS-Zeit

1937 – 1939
Dr. Karl-Heinz Kriegenhagen
1939
Julius-Georg Krey
1940 – 1942
Dr. Eduard Friedel
1942 – 1945
Conrad Rosbach-Kohlbrecher

Wiederaufbau und Neuanfang (1945-1975)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für die Schule eine Phase des Wiederaufbaus und der Neuorientierung. Unter der engagierten Leitung von Johanna Freudenberg, die von 1945 bis 1968 als Schulleiterin fungierte, fand die Schule zu ihren humanistischen Wurzeln zurück. Die Kriegsschäden wurden beseitigt, das Kollegium neu aufgebaut und ein modernes Curriculum entwickelt.

1946: Umbenennung in Städtische Frauenoberschule
1955: Umbenennung in Mädchen-Gymnasium Adlersberg

Die Umbenennung zum Mädchen-Gymnasium Adlersberg im Jahr 1955 markierte die vollständige Integration in das moderne Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland. Die Schule bot nun eine vollständige gymnasiale Ausbildung mit allen Naturwissenschaften, Sprachen und Gesellschaftswissenschaften.

Schulleiter der Nachkriegszeit

1945 – 1968
Johanna Freudenberg
1968 – 1975
Dr. Helene Kraus

Das Sophie-Mereau-Gymnasium: Seit 1975

1975: Umbenennung in Sophie-Mereau-Gymnasium Adlersberg

Das Jahr 1975 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte unserer Schule. Die Umbenennung zum Sophie-Mereau-Gymnasium Adlersberg würdigt die deutsche Schriftstellerin und Dichterin Sophie Mereau (1770-1806), die für ihre fortschrittlichen Ideen und ihr literarisches Schaffen bekannt ist. Sophie Mereau stand für Bildung, Emanzipation und geistige Freiheit – Werte, die unsere Schule bis heute leiten.

Gleichzeitig wurde das Gymnasium in den folgenden Jahren zu einer koedukativen Bildungseinrichtung. Die Öffnung für Schüler aller Geschlechter war ein weiterer Schritt hin zu Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit. Heute lernen hier über 900 Schülerinnen und Schüler gemeinsam und bereiten sich auf ihre Zukunft vor.

Schulleiter seit 1975

1975 – 1978
Dr. Viktor Tappehorn
1978 – 1988
Juliette Sibau-Lanouvelle
1988 – 1992
Otto von Rheinberg
1992 – 1993
Alexandra von Lengerke
1993 – 1998
Otto von Rheinberg
1998 – 2007
Hans-Jürgen Lochner
2007 – 2015
Elisabeth Hoffmann
seit 2015
Dr. Rainer Wilkens

Das SMG heute

Unter der Leitung von Dr. Rainer Wilkens seit 2015 hat sich das Sophie-Mereau-Gymnasium zu einer modernen, zukunftsorientierten Bildungseinrichtung entwickelt. Der Annenflügel, benannt nach der Pionierin Anne Geist von Wildegg, beherbergt heute hochmoderne naturwissenschaftliche Labore, einen innovativen Makerspace und die Oberstufenbibliothek. Die charakteristische Wendeltreppe im Hauptgebäude verbindet als architektonisches Herzstück alle Geschosse und symbolisiert die Kontinuität unserer Geschichte.

Das Gymnasium verfügt über mehr als 100 hochqualifizierte Lehrkräfte, die in modernen Klassenräumen, Fachräumen für alle Naturwissenschaften, vier Turnhallen und einem Lehrschwimmbecken unterrichten. Unsere Schule ist barrierefrei gestaltet und technisch auf dem neuesten Stand – mit Computerräumen, digitalen Whiteboards und einer umfassenden IT-Infrastruktur.

Besonders stolz sind wir auf unsere Tradition der MINT-Förderung, die auf Anne Geist von Wildegg zurückgeht, sowie unser breites Sprachangebot und die vielfältigen künstlerischen und musikalischen Programme. Das SMG ist mehr als eine Schule – es ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem junge Menschen zu verantwortungsvollen, kritisch denkenden und empathischen Persönlichkeiten heranwachsen.

Die wahre Bildung besteht nicht darin, das Gedächtnis wie einen Sack zu füllen, sondern den Geist wie ein Feuer zu entfachen, das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit zu wecken.

— Im Geiste unserer Gründungsideale

Unsere zeitlosen Werte

Drei Jahrhunderte Geschichte haben uns geprägt. Diese Werte leiten uns seit unserer Gründung und sind heute aktueller denn je.

Humanistische Bildung

Wir glauben an die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Bildung bedeutet für uns mehr als Wissensvermittlung – sie ist die Entfaltung aller geistigen, sozialen und ethischen Fähigkeiten.

Wissenschaftliche Neugier

Seit Anne Geist von Wildegg die Naturwissenschaften an unsere Schule brachte, fördern wir kritisches Denken, Forschergeist und die Freude am Entdecken. Fragen zu stellen ist der Beginn allen Wissens.

Gleichberechtigung

Von einer Mädchenschule zu einem koedukativen Gymnasium – wir stehen für Chancengleichheit und die Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht auf umfassende Bildung hat, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

Soziale Verantwortung

Bildung verpflichtet. Wir ermutigen unsere Schülerinnen und Schüler, Verantwortung für sich selbst, für ihre Mitmenschen und für die Gesellschaft zu übernehmen.

Kulturelle Bildung

Sprachen, Literatur, Musik und Kunst sind unverzichtbare Bestandteile umfassender Bildung. Sie öffnen den Geist, fördern Kreativität und ermöglichen den Dialog zwischen Kulturen.

Innovation und Tradition

Wir ehren unsere Geschichte, während wir mutig in die Zukunft blicken. Tradition und Innovation sind kein Widerspruch – sie ergänzen und bereichern einander.

Ein lebendiges Erbe

Die Geschichte des Sophie-Mereau-Gymnasiums ist eine Geschichte des Fortschritts, der Beharrlichkeit und des unerschütterlichen Glaubens an die transformative Kraft der Bildung. Von den bescheidenen Anfängen als katholische Mädchenschule im Jahr 1725 bis zum modernen, vielfältigen Gymnasium von heute – unsere Schule hat sich stets den Herausforderungen der Zeit gestellt und dabei ihre Grundwerte bewahrt.

Der Geist der Anne Geist von Wildegg, der symbolisch durch den Annenflügel wandelt, erinnert uns daran, dass Bildung Mut erfordert – den Mut, bestehende Grenzen zu hinterfragen, nach Wahrheit zu streben und für Gerechtigkeit einzustehen. Dieses Erbe tragen wir mit Stolz und Verantwortung in die Zukunft.

Heute, im Jahr 2025, blicken wir auf 300 Jahre Bildungsgeschichte zurück und freuen uns auf die kommenden Jahrzehnte. Unser Gymnasium ist mehr als ein Ort des Lernens – es ist eine Gemeinschaft, die von Respekt, Neugierde und dem gemeinsamen Streben nach Exzellenz geprägt ist. Wir laden Sie ein, Teil dieser Geschichte zu werden.